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Lieber mit dem alten Partner etwas Neues, als mit einem neuen Partner wieder das Alte!

Die 4 apokalyptischen Reiter

Love-Basics
Wie kann man einander im Alltag Zuneigung und Liebe zeigen?
Welches Verhalten ist förder-lich für die Liebe?
Was sollten Sie besser lassen, wenn Ihnen an Ihrem Partner und der Beziehung liegt?
Impulse hier in den
Love Basics.

John M. Gottman, amerikanischer Professor für Psychologie, erforscht seit Jahrzehnten welche Faktoren eine Beziehung dauerhaft, glücklich und zufrieden werden lassen.

Er hat über 6000 Paare in seinem "Ehelabor" begleitet und als Teil seiner Forschungsarbeit die "4 apokalyptischen Reiter" identifiziert, die eine Beziehung zerstören können. Sie sind Teil der sechs Indikatoren zur Identifizierung einer Partnerschaftskrise.

Die 4 apokalyptischen Reiter beschreiben eine bestimmte Form von Negativität: Kritik - Verachtung - Rechtfertigung - Mauern


Der erste Reiter: Destruktive Kritik

Sicher, irgendwann beklagt sich wahrscheinlich jeder mal über ein Verhalten des Partners. Es besteht aber ein sehr großer Unterschied zwischen 'dem sich Beklagen' - also einer Beschwerde und destruktiver Kritik!

Wer sich beim Partner beschwert, wird einen konkreten Vorfall zum Gegenstand der Beschwerde machen, die Situation klar beschreiben, in der ICH-Form formulieren sowie Gefühle und Wünsche für die Zukunft zum Ausdruck bringen. Beispiel:

"Ich habe mich darüber geärgert, dass du mich eine Stunde lang allein im Restaurant hast warten lassen, ohne mich anzurufen. Dabei waren wir doch dort für 20:00 Uhr verabredet. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass Du pünktlich bist und mich rechtzeitig anrufst, falls Du Dich ausnahmsweise verspätest."

Im Gegensatz dazu ist destruktive Kritik gespickt mit negativen Seitenhieben über Charaktermerkmale und beinhaltet eine generelle Verurteilung des Partners. Nehmen wir wieder die gleiche Situation wie bei der Beschwerde:

"Es ist immer dasselbe mit Dir! Nie bist Du pünktlich! Und mich anzu-rufen und mir Bescheid zu sagen, dass kommt Dir ja sowieso nicht in den Sinn! Es ist wie immer - der Herr hatte noch zu tun. Eine Frau ist ja nicht so wichtig und über ihre Zeit kann ein Mann selbstverständlich frei verfügen!"

Falls Sie beim Durchlesen feststellen, dass Sie sich einander kritisieren, schauen Sie sich noch einmal das Beschwerde-Beispiel an. Das Problem mit der destruktiven Kritik ist, dass Sie durch Gewohnheit zunehmend schärfer ausfällt und den 3 weiteren Reitern den Weg zur Zerstörung der Beziehung bereitet.



Der zweite Reiter: Verachtung

Verachtung zeigt sich in vielerlei Formen wie z. B. Sarkasmus, Zynismus, gespielte moralische Entrüstung über das Partnerverhalten, Verhöhnen, Mimik und abwertendem Humor verbunden mit der Absicht, den Partner "fertig zu machen". Welche Form auch gewählt wird - eines ist sicher: Verachtung ist der gemeinste und bösartigste Reiter und vergiftet die Beziehung, weil hier Abneigung auf verletztende Weise zum Ausdruck kommt.

Sabine führt seit ein paar Monaten eine sexuelle Aussenbeziehung. Peter möchte die Ehe mit ihr retten:

Sabine:

Marc macht mich sexuell einfach mehr an als Du - Deiner ist so klein.

Peter:

Wir könnten doch gemeinsam ausprobieren, was den Sex bei uns schöner macht.

Sabine:

Was soll das bringen? Wird "Er" dadurch etwa größer? Haha!

Peter:

Früher war das für Dich kein Thema. Da war ich gut, so wie ich bin. Ich beschwere mich ja auch nicht über deinen kleinen Busen. Den finde ich sogar richtig schön.

Sabine:

Klar das du das sagst. Schließlich willst du da auch mal wieder 'dran'. Marc besorgt es mir halt richtig. Der ist ein ganzer Kerl - nicht so wie du, dem es schon nach zwei Minuten kommt.

Peter:

Ich habe mich erkundigt und weiß jetzt, dass ich es zusammen mit Dir lernen kann, länger mit Dir zu schlafen.

Sabine:

Und was soll dabei meine Rolle sein? Versuchskaninchen? Nein danke! Pass mal auf, was ich Dir jetzt sage: Ein richtiger Mann weiß einfach, wie er es einer Frau machen muss und kann sich beherrschen.

Sabine versteht es meisterhaft, alle Rettungsversuche von Peter so auszulegen, dass Sie ihn mit Spott, Hohn und genereller Abwertung seiner Männlichkeit erneut attackieren kann. Sie hat kein Interesse an seinen Beiträgen, sondern will ihn fertigmachen und so vor sich selbst ihre Aussenbeziehung legitimieren indem sie Peter pauschal zum Versager stempelt.

Verachtung entsteht, wenn ungelöste Konflikte über längere Zeit bestehen und die damit verbundenen negativen Gedanken über den Partner zunehmend dominanter werden.



Der dritte Reiter: Rechtfertigung

Berücksichtigt man wie fies Sabine zu Peter ist, dann ist es nicht ver-wunderlich, das Peter sich selbst rechtfertigt. Zu Beginn unternimmt er einen Rettungsversuch indem er sagt: "Wir könnten doch ausprobieren, was den Sex bei uns schöner macht." Sabine hat aber keine Lust das Problem konstruktiv zu lösen. Sie will streiten. Ihr gefällt es, sich über ihn lustig zu machen, Peter zu erniedrigen und sich winden zu sehen.

Seine Rechtfertigung: "Früher war das für Dich kein Thema. Da war ich gut, so wie ich bin." ignoriert sie. Obwohl Peters Absicht der Recht-fertigung nachvollziehbar ist, führt dieser Weg nicht zum Erfolg. Der Angriff lässt sich so nicht stoppen. Das liegt daran, weil diese Recht-fertigung in Wahrheit ausdrückt: "Das Problem liegt bei Dir, Sabine, nicht bei mir. Früher warst du damit zufrieden."

Sabine hat sich schon so weit in ihre Verachtung hinein geredet, dass auch Peters letzter Rettungsversuch: "Ich habe mich erkundigt und weiß jetzt, dass ich es zusammen mit Dir lernen kann, länger mit dir zu schlafen" von ihr dazu benutzt wird, ihn weiter niederzumachen.



Der vierte Reiter: Mauern

Wenn die ersten 3 Reiter lang genug ihr Werk verrichtet haben, zieht schließlich der 4. Reiter ins Haus ein. "Mauern" erscheint dann als sinnvolle Alternative um sich gegen die Überflutung der Kritik, der Verachtung und der misslungenen Rechtfertigungen durch "dichtmachen" abzugrenzen.

Überflutung bedeutet, das die Negativität des Partners als derart überwältigend erlebt wird, dass es tief im Inneren sehr verletzt und bis ins Mark erschüttert. Man fühlt sich diesen Angriffen völlig schutzlos ausgeliefert und ist auf der Hut. Misstrauisch beäugt man den Partner, um möglichst früh Hinweise auf einen neuen Angriff zu entdecken. Das geschieht, um sich vor dem eigenen emotionalen Chaos als Folge eines Angriffes zu schützen.

Zeichen des Mauerns sind z. B. fehlender Blickkontakt zum Partner, absolutes Schweigen, keine Antwort auf Fragen oder Äußerungen des Partners, dem Partner völlig aus dem Weg gehen, den Partner "wie Luft behandeln".



Noch ein Reiter: Machtkämpfe

Machtkämpfe entstehen, wenn einer oder beide Partner die Oberhand in der Beziehung haben wollen. Also: "Wer hier das Sagen hat", wer die Richtung vorgibt und wer zu folgen hat. Machtkämpfe sind Auslöser heftigster Streitereien.

Die Ursachen für Machtkämpfe können unter anderem in einer stark besitzergreifenden Form der Liebe, extremen Egoismus, erheblichen Defiziten in der Beziehungsfähigkeit, negativen Bindungserfahrungen in der Herkunftsfamilie und einem daraus resultierenden unsicheren Bindungsstil sowie mangelnder Problemlösefähigkeit liegen.

Paare die darin verstrickt sind, müssen sich entscheiden: Entweder weiterhin streiten (weil es vielleicht das Einzige ist, was sie verbindet) oder radikal damit aufhören und massiv an ihrer individuellen Beziehungsfähigkeit arbeiten!

In einer emotional intelligenten Ehe begegnen sich die Partner gleich-rangig im Paaralltag. Beide sind gleich wichtig, beide schenken und erhalten gleichermaßen vom Partner Achtung, Respekt und Wertschät-zung in der Form, wie es für ihr individuelles Wohlbefinden angemessen ist. Anders ist es in gestörten Beziehungen, wo es um das Herrschen und beherrscht werden geht.


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©2008 . Liebe gestalten . partnerschule-west.de . Winfried Fuchs . Impressum . Weiterempfehlen . aktualisiert am 28.12.2010