|   |   |
  |   |
  |
  |
  |
  |
  | ||||||||||
|   |   |
|
  |   | ![]() |
  |   |   | ||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
Konfliktfalle: Die Krux mit den Erwartungen |
Erwartungen - was ist das eigentlich?Der Unternehmensberater W. Berner prägte dazu den Satz: "Erwartungen sind einseitige Verträge, von denen der andere nichts weiß." Damit liegt er goldrichtig. Einer Erwartung fehlt der Konsens; die Vereinbarung mit dem Partner. Somit ist Ent-täuschung vorprogrammiert.Erwartungen sind aber noch mehr. Die Äußerung: "Ich erwarte von Dir,..." nötigt dem Partner meinen Willen auf, ohne dessen Sichtweise zu respektieren. Quasi eine Art Befehl.So etwas kennen die meisten Menschen aus ihrem Beruf. Dort wird gern eine solche Erwartungsformulierung mit dem so genannten "Sachzwang" gekoppelt um so jeden Widerstand gleich im Keim zu ersticken.Selbst wenn sie sich auch konform zu der gestellten Erwartung verhalten, so fühlen sich dennoch viele trotzdem nicht gut dabei, weil die an sie gestellte Erwartung mit dem eigenen freien Willen kollidiert.Aber im Privatleben will sich man/frau nicht irgendwelchen als "Erwartung" formulierten Forderungen aussetzen und sich schon gar nicht etwas befehlen lassen oder einer Erpressung im Sinne von "Entweder Du tust das, was ich von Dir erwarte oder ich trenne mich von Dir" gegen-über stehen.Es ist somit kein Wunder, wenn durch solche Erwartungsbekundungen Widerstand in uns wach wird und wir dagegen rebellieren.Wenn Partner lernen - statt weiterhin Erwartungen in Form von Vorwürfen und Nörgeleien zu äußern - respektvoll einander ihre Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle mitzuteilen; verbindliche Vereinbarungen treffen und sie eigenverant-wortlich einhalten, kann die Partnerschaft einen Quantensprung in Richtung Zufriedenheit und Qualität erfahren. |
|||||||||||||||||
|
"Immer lässt Du alles liegen!" - "Nie bist Du pünktlich!" - "Ewig musst Du alles ausdiskutieren" - "Warum muss ich Dir eigentlich immer alles aus der Nase ziehen?" - "Kannst Du Dich endlich mal entscheiden, was Du willst?" - "Du könntest Dich auch mal zuerst melden" - "Nie siehst Du, was alles erledigt werden muss" - "Das Wochenende gehört nun mal der Familie!" - "Das ist ja wohl das Letzte! Es ist Sonntag, sieben Uhr morgens und Du liegst immer noch faul im Bett!" - "Wenn Du nur endlich einmal das tun würdest, was man von Dir erwartet, könnte ich erkennen, dass Du mich wirklich liebst!", ... Was ist all diesen Äußerungen gemeinsam? Zunächst einmal beinhalten alle diese Aussagen Kritik und Vorwurf. Sie alle können der Auftakt eines heftigen Streits werden. Doch was liegt eigentlich hinter solcher Kritik und den Vorwürfen? Wieso werfen sich Partner so etwas an den Kopf? Welcher Film läuft hier ab und was geschieht da mit den beiden Akteuren? Der Film heißt "Die Erwartungsfalle". Er läuft in vielen Partnerschaften als tägliche Wiederholung des gleichen Themas und die beiden Akteure folgen einem unbewussten Drehbuch in unendlichen Variationen. Nehmen wir bespielsweise Bettina und Peter. Beide haben einen sehr anstrengenden Tag im Büro hinter sich. Beide sind beruflich erfolgreich. Er arbeitet Vollzeit, sie hat eine 3/4 Stelle. Bettina kommt zuerst heim in die aufgeräumte Wohnung. Im Schlafzimmer liegt die schmutzige Wäsche von Peter auf dem Fußboden verstreut. Sie ist darüber verärgert und räumt die Dinge in den Wäschesammler. Als Peter heimkommt, fährt sie ihn wütend an: "Immer lässt Du alles liegen!" Peter ist irritiert. Er hatte sich auf den Abend mit Bettina gefreut. Aber jetzt ist seine gute Stimmung verflogen. Er entgegnet Bettina: "Hast Du schlechte Laune? Ich bin müde und brauche erstmal Zeit für mich." und legt sich auf die Couch. Es entwickelt sich im Weiteren ein böser Streit und für 2 Tage hängt der Haussegen schief.
Vorerfahrungen formen Erwartungen
Bettina hatte schon bevor sie mit Peter zusammen gezogen ist, eine Partnerschaft mit Michael geführt. Michael hatte sich als Messi erwiesen, weswegen Bettina die Beziehung nach zwei zermürbenden Jahren beendet hatte und aus der gemeinsamen Wohung in ein kleines Apartment gezogen war. Bettinas Eltern waren beide berufstätig und schon früh hat sie im Haushalt mithelfen müssen, wofür sie von ihren Eltern manchmal gelobt wurde. Ihre Mutter erwartete von ihr, dass sie ihr Zimmer immer perfekt aufräumte; für den Fall das unerwartet Besuch käme und sie als Mutter sich sonst als "Schlampe" schämen müsste.
Die Erwartungsfalle
Im Stillen erwartet Peter von Bettina, dass sie ihm wegen ein paar Sachen, die herumliegen, keine Szene macht. Schließlich hat früher seine Mutter auch ohne Kommentar täglich aufge-räumt. Überhaupt nervt ihn der Ordnungsfimmel von Bettina. Außerdem ist es ihre Sache. Beide stecken somit in der Falle der eigenen Erwartungen, die durch ihre Vorerfahrungen geprägt sind: Bettina steckt in ihrer Erwartungsfalle, weil sie ihre Erwartung an eine perfekt ordentliche Wohnung durch Peter sabotiert sieht, sich aber mitverantwortlich dafür fühlt und deswegen Angst hat, als Schlampe dazustehen. Sie ist enttäuscht und frustriert. Die Schuld dafür hat aus ihrer Sicht selbstverständlich Peter. Peter steckt in seiner Erwartungsfalle, weil seine Erwartung an eine Frau die ist, sich perfekt um den Haushalt und die Wohung zu kümmern und Bettina "ihren Job" nicht macht und schlimmer noch: Ihm etwas vorwirft, was ihre Aufgabe ist. Er ist enttäuscht und darüber sehr verärgert. Die Schuld dafür trägt aus seiner Sicht natürlich Bettina.
Der Falle entkommen
Peter muss lernen, dass sein Frauenbild mit der heutigen Realität in einem Doppelverdiener-Haushalt nicht vereinbar ist und die Haus-frauenrolle seiner Mutter keineswegs Anspruch auf Allgemeingültigkeit hat. Er muss lernen, die Hälfte der Hausarbeit eigenverantwortlich zu erledigen. Bettina muss lernen, dass ihr Anspruch an eine perfekte Ordnung überzogen ist und Sie keineswegs als Schlampe gilt, wenn mal etwas von Peter in der Wohnung herumliegt. Sie muss lernen, ihr Selbstwertgefühl nicht an perfektionistische Ordnung und die Meinung anderer zu koppeln. Bettina und Peter müssen lernen miteinander zu kooperieren und einen verbindlichen Konsens (=Übereinstimmung des Willens) über die Haus-arbeit finden. Zusätzlich müssen sie miteinander vereinbaren, was geschieht, wenn sich künftig einer von beiden nicht an den gefundenen Konsens hält.
Der Konsens
Peter wurde bewusst, dass er - wenn er allein leben würde - die ganze Hausarbeit allein zusätzlich zu seinem Job erledigen müsste. Bettina wurde klar, dass das alte Verhaltens-muster "Perfekte Ordnung" ein Thema ihrer Mutter ist und dorthin gehört. Beiden war es bei der Konsensbildung wichtig, das jeder Partner gleich viel Zeit sowohl für gemeinsame Interessen wie auch jeder für sein Hobby, Sport usw. haben muss. Sie haben dann die Haushaltsarbeiten detailliert untereinander aufgeteilt. Dabei haben Sie die unterschiedliche Stundenzahl ihrer Berufstätig-keit als Ausgangsbasis gewählt und dann die Arbeiten im Haushalt so verteilt, bis jeder auf die gleiche Gesamtstundenzahl aus der Summe von Beruf und Haushaltsarbeiten gekommen ist. Wenn einer von beiden mal krank ist, macht der andere die Dinge ohne Ausgleich automatisch mit. Ihre Vereinbarung für den Fall, dass sich einer nicht an den Konsens hält: "Zur Wiedergutmachung erledige ich morgen deinen Teil mit und lade Dich am nächsten Wochenende zum Essen in unser Lieblings-restaurant ein."
|
||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||